Freitag Hutba
Der Geist des Kurbans und die Ethik des TeilenS
Verehrte Muslime!
Am kommenden Mittwoch werden wir inschallah das
Kurbanfest feiern. Kurban ist nicht bloß das Opfern eines
Tieres. Es ist eine Ibâda, ein Ausdruck der Hingabe,
Aufrichtigkeit und Verbundenheit mit Allah. Im Koran heißt
es: „Allen Völkern gaben wir Opferriten, damit sie Allahs
Namen über dem Vieh aussprächen, mit dem wir sie
versorgten. Und euer Gott ist ein einziger Gott. Darum
seid ihm ergeben! Und verkünde denen frohe Botschaft,
die Demut zeigen!“1
Allah teilt uns mit, dass der Sinn des Kurbans Reinheit ist.
Entscheidend ist, mit welcher Absicht und mit welchem
Bewusstsein wir diese Ibâda verrichten. Deshalb sollten wir
beim Opfern unsere Herzen prüfen und unsere Absichten
überdenken. Kurban ist ein Erbe des Propheten Ibrahim (a)
und Ismail (a). Die Geschichte Ibrahims steht für die
Verbundenheit mit Allah. Auch wir sollten beim Opfern diese
tiefe Bedeutung bedenken.
Liebe Geschwister!
Kurban ist zugleich eines der schönsten Zeugnisse des
Teilens und der Geschwisterlichkeit. Wer das Fleisch des
Opfertieres mit Bedürftigen teilt, stärkt den Zusammenhalt
in der Gesellschaft und baut Brücken zwischen den Herzen
der Menschen. Heute kämpfen Menschen in vielen Teilen der
Welt mit Hunger, Krieg und Armut. Das Kurban ruft uns diese
Wirklichkeit in Erinnerung. Wir dürfen nicht vergessen, dass
alles, was wir besitzen, uns anvertraut ist, und wir den
Kummer bedürftiger Menschen im Herzen fühlen sollten.
Allah spricht: „Menschen, die von ihrem Besitz bei Nacht
und am Tage, im Verborgenen und öffentlich spenden,
die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn; keine Furcht soll
über sie kommen, und sie sollen nicht traurig sein.“2
Die Ethik des Teilens gehört zu den Grundwerten des Islams.
Ein Gläubiger ist jemand, der nicht satt schlafen geht,
solange sein Nachbar hungert. Waisenkinder zu schützen,
den Armen nicht aus dem Blick zu verlieren, dem Bedrängten
die Hand zu reichen – das sind Eigenschaften eines wahren
Gläubigen. Wer einem Bedürftigen ein Lächeln schenkt oder wer das Duâ eines Waisenkindes empfängt, dem öffnet Allah
die Tore des Paradieses. Unser Prophet (s) hat verkündet: Wer
einen Hungrigen speist, wer einem Durstigen den Durst stillt,
wer einen Menschen bekleidet, der Kleidung benötigt, den
wird Allah belohnen.3
Das Kurbanfest ist ein Anlass, damit wir Muslime uns und
unsere Gesellschaft an wichtige Werte erinnern und diese in
unserem Leben umsetzen. Unsere Ibâdas sollten wir nicht
verrichten, um gesehen zu werden, sondern einzig und allein
für Allah. Das ist Aufrichtigkeit. Vergessen wir nicht: Was vor
Allah Wert besitzt, ist nicht die Größe oder Sichtbarkeit einer
Tat, sondern ihre Beständigkeit und die Reinheit, mit der sie
ausgeführt wird.
Liebe Geschwister!
Die humanitäre Hilfsorganisation Hasene leistet seit Jahren
weltweite, humanitäre Hilfe und organisiert die Verteilung
der Opfertiere. Auch dieses Jahr verteilt Hasene die
Opfergaben in alle Teile der Welt. Beteiligen wir uns an dieser
wertvollen und gesegneten Arbeit mit unseren Kurban-
Spenden. O Allah! Lass uns zu jenen gehören, die das
Bewusstsein des Kurbanopfers erlangen und die Ethik des
Teilens verwirklichen.
Und zur Erinnerung, liebe Geschwister!
Der Dienstag vor dem Fest ist der Tag von Arafa, also der 9.
Zulhidscha. An diesem Tag versammeln sich alle Pilger auf
dem Berg Arafat. Sie denken über ihr bisheriges Leben nach
und bekommen einen Vorgeschmack auf den Tag des
Jüngsten Gerichts. Reue wird sich in Duâ und Umkehr
verwandeln. Möge Allah den Hadsch all unserer Geschwister
annehmen und auch unsere Gebete und unsere Tawba zu denen auf Arafat zählen.
Vergessen wir währenddessen nicht die Taschrîk-Takbîre zu sprechen. Ab dem Morgengebet des Tages von Arafa bis zum Nachmittagsgebet des vierten Festtages wird nach jedem
Farz-Gebet einmal gesprochen: „Allâhu akbar, Allâhu akbar,
lâ ilâha illallâhu wallâhu akbar. Allâhu akbar wa lillâhil
hamd.“ Dies nennt man den Taschrîk-Takbîr. Ob man allein
betet oder hinter dem Imam, ob auf Reisen oder zu Hause, ob
Mann oder Frau – jeder soll den Taschrîk-Takbîr sprechen.
Lasst uns das Fest mit Freude empfangen und mit Freude begehen.