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Der Geist des Kurbans und die Ethik des TeilenS

22.05.2026

Verehrte Muslime!

Am kommenden Mittwoch werden wir inschallah das

Kurbanfest feiern. Kurban ist nicht bloß das Opfern eines

Tieres. Es ist eine Ibâda, ein Ausdruck der Hingabe,

Aufrichtigkeit und Verbundenheit mit Allah. Im Koran heißt

es: „Allen Völkern gaben wir Opferriten, damit sie Allahs

Namen über dem Vieh aussprächen, mit dem wir sie

versorgten. Und euer Gott ist ein einziger Gott. Darum

seid ihm ergeben! Und verkünde denen frohe Botschaft,

die Demut zeigen!“1

Allah teilt uns mit, dass der Sinn des Kurbans Reinheit ist.

Entscheidend ist, mit welcher Absicht und mit welchem

Bewusstsein wir diese Ibâda verrichten. Deshalb sollten wir

beim Opfern unsere Herzen prüfen und unsere Absichten

überdenken. Kurban ist ein Erbe des Propheten Ibrahim (a)

und Ismail (a). Die Geschichte Ibrahims steht für die

Verbundenheit mit Allah. Auch wir sollten beim Opfern diese

tiefe Bedeutung bedenken.

Liebe Geschwister!

Kurban ist zugleich eines der schönsten Zeugnisse des

Teilens und der Geschwisterlichkeit. Wer das Fleisch des

Opfertieres mit Bedürftigen teilt, stärkt den Zusammenhalt

in der Gesellschaft und baut Brücken zwischen den Herzen

der Menschen. Heute kämpfen Menschen in vielen Teilen der

Welt mit Hunger, Krieg und Armut. Das Kurban ruft uns diese

Wirklichkeit in Erinnerung. Wir dürfen nicht vergessen, dass

alles, was wir besitzen, uns anvertraut ist, und wir den

Kummer bedürftiger Menschen im Herzen fühlen sollten.

Allah spricht: „Menschen, die von ihrem Besitz bei Nacht

und am Tage, im Verborgenen und öffentlich spenden,

die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn; keine Furcht soll

über sie kommen, und sie sollen nicht traurig sein.“2

Die Ethik des Teilens gehört zu den Grundwerten des Islams.

Ein Gläubiger ist jemand, der nicht satt schlafen geht,

solange sein Nachbar hungert. Waisenkinder zu schützen,

den Armen nicht aus dem Blick zu verlieren, dem Bedrängten

die Hand zu reichen – das sind Eigenschaften eines wahren

Gläubigen. Wer einem Bedürftigen ein Lächeln schenkt oder wer das Duâ eines Waisenkindes empfängt, dem öffnet Allah

die Tore des Paradieses. Unser Prophet (s) hat verkündet: Wer

einen Hungrigen speist, wer einem Durstigen den Durst stillt,

wer einen Menschen bekleidet, der Kleidung benötigt, den

wird Allah belohnen.3

Das Kurbanfest ist ein Anlass, damit wir Muslime uns und

unsere Gesellschaft an wichtige Werte erinnern und diese in

unserem Leben umsetzen. Unsere Ibâdas sollten wir nicht

verrichten, um gesehen zu werden, sondern einzig und allein

für Allah. Das ist Aufrichtigkeit. Vergessen wir nicht: Was vor

Allah Wert besitzt, ist nicht die Größe oder Sichtbarkeit einer

Tat, sondern ihre Beständigkeit und die Reinheit, mit der sie

ausgeführt wird.

Liebe Geschwister!

Die humanitäre Hilfsorganisation Hasene leistet seit Jahren

weltweite, humanitäre Hilfe und organisiert die Verteilung

der Opfertiere. Auch dieses Jahr verteilt Hasene die

Opfergaben in alle Teile der Welt. Beteiligen wir uns an dieser

wertvollen und gesegneten Arbeit mit unseren Kurban-

Spenden. O Allah! Lass uns zu jenen gehören, die das

Bewusstsein des Kurbanopfers erlangen und die Ethik des

Teilens verwirklichen.

Und zur Erinnerung, liebe Geschwister!

Der Dienstag vor dem Fest ist der Tag von Arafa, also der 9.

Zulhidscha. An diesem Tag versammeln sich alle Pilger auf

dem Berg Arafat. Sie denken über ihr bisheriges Leben nach

und bekommen einen Vorgeschmack auf den Tag des

Jüngsten Gerichts. Reue wird sich in Duâ und Umkehr

verwandeln. Möge Allah den Hadsch all unserer Geschwister

annehmen und auch unsere Gebete und unsere Tawba zu denen auf Arafat zählen.

Vergessen wir währenddessen nicht die Taschrîk-Takbîre zu sprechen. Ab dem Morgengebet des Tages von Arafa bis zum Nachmittagsgebet des vierten Festtages wird nach jedem

Farz-Gebet einmal gesprochen: „Allâhu akbar, Allâhu akbar,

lâ ilâha illallâhu wallâhu akbar. Allâhu akbar wa lillâhil

hamd.“ Dies nennt man den Taschrîk-Takbîr. Ob man allein

betet oder hinter dem Imam, ob auf Reisen oder zu Hause, ob

Mann oder Frau – jeder soll den Taschrîk-Takbîr sprechen.

Lasst uns das Fest mit Freude empfangen und mit Freude begehen.